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Vanessa Kirby (r) und Jude Law (l) als Aussiedler-Paar Dore und Friedrich in Eden. Leonine Distribution

"Eden" - Psychologischer Thriller im Paradies | Breitbild

Regisseur Ron Howard lässt in seinem starbesetzen Film eine Gruppe Siedler auf einer Galapagos-Insel ums überleben kämpfen

02.04.2025 Ron Stoklas

Es gibt Geschichten, die weltweit für Schlagzeilen gesorgt haben und trotzdem haben wir noch nie von ihnen gehört. In diese Kategorie zählt die sogenannte Galapagos-Affäre. Oscar-Preisträger Ron Howard liefert ab dem 03. April 2025 mit Eden die filmische Adaption dieser Geschichte.

Im Mittelpunkt: mehrere Siedler aus Europa, die sich auf der Galapagos-Insel Floreana im Pazifik niederlassen. Vom Paradies kann aus ihrer Sicht jedoch kaum die Rede sein. Die Pazifikinsel verwandelt sich für sie in eine echte Hölle. FluxFM-Redakteur Ron Stoklas über den Film Eden von Ron Howard.

"Eden" - worum geht es im Film von Ron Howard?

Die Insel Floreana im Pazifischen Ozean. Ende der 1920ern lässt sich hier das Berliner Paar Dore Strauch und Friedrich Ritter nieder. Ihr Ziel: Als Selbstversorger der Gesellschaft trotzen. Über ihr Leben berichten sie in Briefen, die unter anderem in ihrer Heimat von Zeitungen abgedruckt werden. Die von den Medien glorifizierten Erzählungen locken im Lauf der Jahre weitere Siedlungswillige an. Statt des Paradieses erwartet diese jedoch der harte Insel-Alltag - und die Begegnung mit menschlichen Abgründen...

FluxFM-Kritik: Ein Hauch von Reise- und Survival-Influencer

Ein zurückgezogenes Leben auf einer einsamen Pazifikinsel. Sonne, Strand, Meer und tropische Früchte. Klingt im ersten Moment definitiv verlockend. Dem modernen Stress per Inselleben entfliehen. Das ein solches Leben aber auch mit Entbehrungen einhergeht, dürften viele dabei vergessen - vor allem, wenn wir nicht vom Jahr 2025, sondern den 1930ern sprechen.

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Die Wittmers siedeln (zunächst) erfolgreich auf der Insel. Leonine Distribution

Dass die Faszination eines solchen Aussteigerlebens damals wie heute - passend wirken Dora und Friedrich wie die Prototypen moderner Reise- und Survival-Influencer - jedoch Menschen gegen jedwede Vernunft auf eine abgeschiedene Insel lockt, überrascht daher nur im ersten Moment. Vor allem, wenn wir wie im Fall des Films Eden zwischenzeitlich sogar eine Gruppe - oder eher einzelne Personen - erleben, denen die Bewältigung der lebensfeindlichen Flora und Fauna von Floreana zu gelingen scheint.

Law, Sweeney, Brühl: Galápagos-Affäre in Starbesetzung

Ein Trugschluss, entwickelt sich ihr pazifisches Inselabenteuer schnell zum Überlebenskampf. Verantwortlich dafür sind nicht etwa giftige Tiere, Missernte oder Unwetter, sondern - wie sollte es auch anders sein - die Menschen selbst. Sie alle, vor allem die eitle Baronesse Wehrborn de Wagner-Busquet und ihre Lakaiin, treiben ein Spiel aus Intrigen voran, um die Insel für sich allein zu haben.

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Ana de Armas (m) als Insel-Baronin mit ihren Liebhabern (u.a. Felix Kammerer - l) Leonine Distribution

Während die Geschichte von Minute zu Minute absurder - und auch blutiger wird - darf sich der starbesetzte Cast regelrecht austoben. Wir erleben wie der von Jude Law gespielte Arzt Dr. Ritter zusehends dem Wahnsinn verfällt, während sich die von Ana de Armas dargestellte selbsternannte Insel-Baronin in Prunk und Liebeleien verliert und wie Sydney Sweeney als Margaret Wittmer versucht das harte Inselleben zu gestalten. Und dann wäre da noch Daniel Brühl, dem Howard die Rolle des überraschend fährigen Siedlers Heinz Wittmer schon vor mehr als zehn Jahren angeboten hat.

Ron Howard präsentiert "Eden" als psychologischen Thriller

Apropos absurd: Die von Regisseur Ron Howard und Drehbuchautor Noah Pink erzählte Geschichte ist nur bedingt ausgedacht. Als sogenannte Galápagos-Affäre sind die im Film gezeigten Ereignisse in die Geschichtsbücher eingegangen. Die im Film präsentierten Siedler*innen gab es. Offen ist lediglich, welche Version der Ereignisse, die durch die Überlebenden überliefert ist, korrekt ist.

An welche Geschichte sich Ron Howard und Drehbuchautor Noah Pink gehalten haben, hat der Regisseur im FluxFM-Interview verraten. Das Interview gibt es hier:

Regisseur Ron Howard erzählt mit Eden nicht einfach nur ein Insel-Historiendrama über ein paar Aussteiger, die letztendlich an sich selbst gescheitert sind. Der Film ist viel eher ein psychologischer Thriller, der Machtambitionen beleuchtet und unsere Gesellschaft hinterfragt, wenn es darum geht vermeintliche Abenteuergeschichten hochzujubeln.

Film: Eden | Kinostart: 03.04.2025 | Altersfreigabe: FSK 16 | Länge: 129 Minuten | Regie: Ron Howard | Drehbuch: Noah Pink | Cast: u.a. Jude Law, Vanessa Kirby, Sydney Sweeney, Ana de Armas, Daniel Brühl, Felix Kammerer

Die Filmkritik zu Eden wurde erstmals am 03.04.2025 im FluxFM-Programm ausgestrahlt.